Locative Media Summer Conference
Tagung des SFB/FK 615 “Medienumbrüche”
im Museum für Gegenwartskunst Siegen.

Vom 3.-5. September 2007

 Programm

Locative Media sind globale Kommunikationsmedien, deren Nutzung und Verwendung aber an konkrete physische Orte gebunden ist. Hierzu zählen beispielsweise Autonavigationssysteme, der Trendsport Geocaching, die Georeferenzierung von Fotos auf Internetplattform Flickr oder die lokale Suchfunktionen von Datingforen. Technisch sind diese ortsunabhängig, inhaltlich aber ortsabhängig. Gerade die für die elektronischen Medien im Grunde ungewöhnliche Ortsbindung der Kommunikation führt derzeit zur Renaissance kartographischer Bildformen, denn damit Locative Media einen Index räumlicher Beziehungen darstellen können, sind Karten unabdingbar. Ist dies vielleicht einer der Gründe für den Erfolg von Google Earth? 

Indem wir uns anlässlich dieser Konferenz auf die Frage einlassen, wie bestimmte Locative Media-Anwendungen und -Kunstprojekte mit lokalen und globalen Räumen verfahren, stoßen wir auf die zunehmende Technologisierung, Medialisierung und Kommodifizierung urbaner bzw. öffentlicher Räume. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Trends besteht in der Expansion standortbasierter Dienste, die unser soziales Networking vermutlich sehr viel stärker beeinflussen als wir uns das derzeit vorstellen können. Denn im Gegensatz zum Medium Fernsehen haben Locative Media-Applikationen das Potential, die physisch-soziale Interaktion zu forcieren – zumal die neue Spielgattung der GPS-basierten Multiplayer-Handy-Spiele auf Zusammenarbeit und nicht auf gegenseitiger Bekämpfung und Zerstörung basieren.

Alles in allem scheint sich eine „standortbewusste“ Generation von Mediennutzern herauszubilden. Diese Generation macht sich mit der Tatsache vertraut, dass unser jeweiliger Standort auf dem Planeten mit einer Koordinate aus Längen- und Breitengrad korrespondiert. Zu Beginn der Seefahrt waren die Seeleute die einzigen, die ein solches Bewusstsein ihres exakten Standorts auf der Erde hatten. Aber was wird es für uns heute bedeuten, eine ebenso exakte Vorstellung vom Raum zu haben wie bereits jetzt von der Zeit? Wie lässt sich eine mediale Zukunft gestalten und beschreiben, in der wir – in derselben Weise wie Uhren uns die genaue Sekunde mitteilen – bis auf wenige Meter genau ständig unsere Position auf der Erde bestimmen können? Diese und weitere Fragen sollen auf der Locative Media Summer Conference diskutiert werden.

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